Erzherzog Johann

Leben und Wirken - Erzherzog Johann

 

Erzherzog Johann wurde am 20. Jänner 1782 als 13. Kind von Leopold, dem Großherzog der Toskana, dem nachmaligen Kaiser Leopold II., und dessen Gattin Maria Ludovika in Florenz geboren. Als sein Vater den Thron bestieg, kam er nach Wien und wurde bereits als junger Mann mit höchsten Kommandoposten in der Armee betraut. Er sympathisierte besonders mit dem Tiroler Volksaufstand von 1809, liebte er dieses Kronland doch über alles. Nach dem Zusammenbruch des Tiroler Aufstandes wurde er sogar verdächtigt, dort ein eigenes Territorium errichten zu wollen. Seine Mitstreiter wurden zum Teil zu hohen Kerkerstrafen verurteilt und ihm selber wurde der Aufenthalt dort verboten. Erzherzog Johann hatte schon in der Jugend öfters auch die Steiermark besucht, deren Naturschätze und Menschen ihn schon früh berührt hatten. Hier machte er sich nun nach 1809 in vielfacher Weise sesshaft und diente dem Herzogtum jenseits aller Politik und ohne Herrschertitel auf seine Weise.

Er hatte schon in den Jahren zuvor reichhaltige Sammlungen zur Natur, besonders der Mineralogie und Botanik, aber auch zu Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie angelegt. Im Jahre 1811 schenkte er dem Land seine umfangreichen, wissenschaftlich bearbeiteten Schätze - das heutige Landesmuseum Joanneum war geboren.

Das Joanneum wurde ursprünglich eine naturwissenschaftlich-technische Lehranstalt. Um Vorkenntnisse für das Studium an dieser Art Akademie zu schaffen, wurde 1845 auf Anraten Erzherzog Johanns die Landesoberrealschule (LOR) in Graz ins Leben gerufen. Ein akademisches Technikstudium gab es bis dahin nur am Wiener Polytechnikum. Um auch für die Steiermark eine technisch-wissenschaftliche Ausbildung anbieten zu können, wurden am Joanneum entsprechende Lehrkanzeln eingerichtet, an denen Vorlesungen und praktische Übungen stattfanden. Daraus entwickelte sich die Grazer Technische Hochschule, die seit 1975 nach ihrem Gründer den Namen Erzherzog-Johann-Universität trägt. Die bedeutendste Landesbibliothek Österreichs entstand ebenfalls im Umfeld des Joanneums.
Weiters regte Erzherzog Johann eine Sammlung von Urkunden und anderen Schriftdenkmälern zur steirischen Landesgeschichte an. Daraus entstand das Steiermärkische Landesarchiv. Zur Weckung eines breiten Interesses für die Landesgeschichte gründete er 1850 den Historischen Verein für Steiermark.

Die bereits im 18. Jahrhundert gegründete, 1787 aber wieder aufgelöste josephinische „Agrikultursozietät" wurde durch Erzherzog Johann 1819 als Steiermärkische Landwirtschaftsgesellschaft erneuert. Sie sollte die Bauern zur Selbsthilfe anspornen. Es ging zum einen um die Übernahme und Kultur zukunftsweisender Nahrungspflanzen, zum anderen um eine Rationalisierung der Anbau- und Erntemethoden. Ein Segen für die immer wieder durch Brände bedrohten Bauerngüter war die durch ihn ins Leben gerufene Wechselseitige Brandschadenversicherung, die manchem „Abbrandler" wieder auf die Beine half. Erzherzog Johann setzte die gewonnenen Erkenntnisse auch selbst in die Praxis um. So erwarb er 1818 den Brandhof bei Mariazell, den er zu einem Mustergut alpiner Landwirtschaft ausbaute. Im untersteirischen Pickern bei Marburg a. d. Drau gründete er ein Weingut und ging auch im Weinbau beispielhaft voran. Schließlich erwarb er noch 1840 die einstige weststeirische Stiftsherrschaft Stainz, die sich wie der Brandhof noch heute im Besitz seiner Nachfahren befindet.

Die Naturverbundenheit Erzherzog Johanns wird auch daraus deutlich, dass er als Alpinist zur Erschließung der Alpen beitrug. Handwerk, Gewerbe und Industrie lagen ihm ebenso am Herzen, sah er in ihnen doch einen Grundstock für den allgemeinen Wohlstand des Volkes. Schon 1832 und 1833 fanden in Graz im Aufbruch der Industriellen Revolution Industrie- und Gewerbeausstellungen statt. Der „Verein zur Förderung und Unterstützung der Industrie und des Gewerbes in Innerösterreich", der auch Ausgangspunkt für fachspezifische Schulen wie die Grazer Handelsakademie war, wurde 1837 ins Leben gerufen. Eine besonders wichtige Facette der Bestrebungen des Erzherzogs zur Hebung der steirischen Wirtschaft war seine Hinwendung und Verbundenheit mit dem Montanwesen, das in der Steiermark aber im Vergleich zu anderen Montanregionen noch ziemlich rückständig war. In Vordernberg erwarb Johann Radwerke und wählte auch aus Gründen lokaler Tradition den Ort zum Wohnsitz. Die Radmeister brachte er dazu, durch die Gründung der Vordernberger Radmeisterkommunität ihre Grubenbaue am Erzberg und die Radwerke durch gemeinsame Erz-, Holz- und Holzkohlenbeschaffung wirtschaftlicher zu führen.
Auch die Trassenführung der Südbahn über Semmering, Mürztal und Graz als überlebenswichtige Grundlage für das Gedeihen der obersteirischen Bergwerks- und Eisenindustrie verdankt die Steiermark dem Einfluss des Erzherzogs.

Da er sich die Rückständigkeit des heimischen Eisenwesens auch aus der Tatsache erklärte, dass es im Erzberggebiet keinen fachlichen Unterricht für Berg- und Hüttenleute gab, gründete er 1840 die Steiermärkisch-Ständische Berg- und Hüttenmännische Lehranstalt, die später nach Leoben verlegt, verstaatlicht und schließlich zur k. k. Bergakademie erhoben wurde, aus der in späterer Folge die heutige Montanuniversität Leoben entstand.

Sein privates Glück fand Erzherzog Johann in der Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl. Aufgrund des Standesunterschiedes musste er jedoch viele Jahre warten, bevor er sie schließlich im Jahr 1829 am Brandhof ehelichen konnte. Anna Plochl wurde 1834 zur Freifrau von Brandhofen und später zur Gräfin von Meran erhoben. Der Ehe entsprang ein Sohn: Franz von Meran.

Erzherzog Johann starb am 11. Mai 1859 in seinem Palais in der Grazer Leonhardstraße. Im Alter war die intensive Erinnerung an sein geliebtes Tirol wiedergekehrt. Ein Reflex davon ist die Errichtung seines Mausoleums beim Schloss Schenna in der Nähe von Meran, in welches er zehn Jahre nach seinem Tod überstellt wurde.

Quelle: Jontes, Günther: Erzherzog Johann, der „Steirische Prinz", aus: Jontes, Günther: Die Grüne, die Eherne Mark. Eine kurze Fassung der langen Geschichte der Steiermark. Trautenfels: Verein Schloss Trautenfels, 2006 (Kleine Schriften des Landesmuseums in Schloss Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum, Heft 30).